Feb 19

Lange ist es her, dass ich mich in einem Blog über persönliche Dinge ausgelassen habe. Ich weiß nicht, an welchem Punkt ich mich gerade befinde. Meine Ausbildung zum Servicefahrer ist erfolgreich zum Abschluss gekommen und ich arbeite nun quasi meinen Stiefel in meinem gewöhnlichen Beruf ab. Am Ende eines jeden Monats bleibt sogar mal etwas Geld übrig und Freizeit habe ich, 39 Wochenstunden sei Dank, wohl auch genug. Glücklich bin ich jedoch mal so überhaupt gar nicht. Hatte ich denn irgendwelche Erwartungen?

Vor meiner Ausbildung hatte ich Probleme mit Frauen in Kontakt zu treten und diese Probleme habe ich auch heute noch, auch wenn ich durch meinen Job eigentlich ein wenig mehr Selbstvertrauen getankt haben sollte. Nein, irgendwie scheine ich dahingehend keinerlei Upgrade geschafft zu haben. Mir scheint es ausweglos, habe mich zu oft schon durch nicht erwiderte Gefühle aus der Bahn werfen lassen. Ja, während meiner Ausbildungszeit ist es auch schon wieder passiert. Es ist offensichtlich, dass ich es nicht schaffe, mich interessant zu machen. Mich interessiert ja auch irgendwie herzlich wenig. Zwar schaue ich mir gerne Anime an, gerade dank meiner Crunchyroll Premium-Mitgliedschaft, aber frag mich nicht nach irgendwelchen Storyelementen oder Protagonisten. Egal ob Filme, Serien oder Games, ich kann mir daraus einfach nichts merken. Diese Medien nutze ich wohl wirklich nur um Zeit totzuschlagen und gelangen kaum mal in mein Langzeitgedächtnis. Seit Ende letzten Jahres schaue ich kaum noch Fußball und spiele selber auch nicht mehr. Zur Erklärung: Profifußball halte ich mittlerweile bloß noch für albernen Marketing-Beschiss am Pöbel und mein Freizeitfußball ist leider zu schlecht geworden, um sich dabei der Verletzungsgefahr auszusetzen. Seit meiner Ausbildung, hat mein Leben für mich unter diesen Umständen vielleicht sogar an Wert verloren. Es geht jetzt nur noch darum, einfach weiter zu machen. Es läuft alles auf eine Karikatur davon hinaus, was man sich als Durchschnittstyp von einem erfüllten Leben erhofft. Mich zieht es auch weiterhin nicht an fremde Orte, Konzerte oder Lokalitäten und auch wenn ich meine drohende Sozialphobie abwehren konnte, ich fühle mich in unserer Gesellschaft nicht wohl. Ich bin nach einem Arbeitstag und wirklich froh, mich nach einer heißen Dusche einfach ins Bett fallen lassen zu können, obwohl ich locker noch drei bis vier Stunden hätte, bevor tatsächlich Schlafenszeit ist. Dann genieße ich die Stille und döse vor mich hin. Wenn ich freitags eine 5-Tage-Woche beende, dann liege ich sogar noch vor der nötigen Dusche pennend auf der Couch.

Nun bin ich dabei, mir ein paar ältere Wünsche zu erfüllen. Ein einfacher Rennsimulator ist es geworden, was mir bisher immer zu kostspielig war. Nun fällt mir erstmal auf, dass man sich damit sowas von um 180° umgewöhnen muss und spiele meine Rennspiele nun eher wie ein Crashtest-Dummy: Immer gegen die Wand. Nicht verwunderlich, dass der Spaßfaktor damit gerade im Keller ist und die 500€-Investition in Playseat und Logitech G920 sich dann doch bald als Flop herausstellt. Da kommt die baldige Veröffentlichung der Nintendo Switch doch gerade recht – wenn die nicht auch floppt. Ich weiß nicht, ob meine derzeitige Melancholie dadurch unterstützt wird, dass ich mein ganzes Geld in Gaming stecke, während die Zeit, die ich mit Gaming verbringe relativ gering ist oder ich irgendwie sowieso alles für egal halte, sei es Geld, Liebe oder das Leben generell und die persönliche Einstellung so oder so da sein muss, wo sie ist.

Da hilft vielleicht ein Blick in die Zukunft. Der Betrieb, für den ich arbeite, zieht in einen anderen Stadtteil von Dortmund. Da dies schon lange bekannt war, die Pläne aber nicht konkret genug, bin ich auch noch nicht nach Dortmund gezogen, sondern verblieb in Herdecke und fuhr jeden Arbeitstag 30km hin und 30km zurück. Nun ist der neue Standort klar und so werde ich über kurz oder lang umziehen. Der Plan ist, auf ein eigenes Auto verzichten zu können und stattdessen mit dem Fahrrad zur Arbeit zu gelangen. Das sollte eine Menge Geld einsparen, jedoch kann ich von dort aus meine Eltern nicht so wie bisher unterstützen und sie mich eben auch nicht. Ab da wäre mehr Selbstständigkeit gefragt. Eine Sache, die ich eh für längst überfällig halte. Darüber hinaus werde ich mein Mobiliar auffrischen können, auch wenn ich vielleicht erstmals einen Kredit aufnehmen müsste. Aber das ist noch Zukunftsmusik und wird mich erst in zirka einem Jahr schwerer beschäftigen. Bis dahin kann viel passieren, aber das ist so der einzige Meilenstein, den ich gerade so vor Augen habe.

Auch in Dortmund werde ich kaum Unternehmungslust haben oder leichter eine Freundin finden, weil auch dort mir dies an und für sich ziemlich egal sein wird.

Eine Antwort zu “Die Melancholie des Martin Walter”

  1. nana sagt:

    heya 🙂

    irgendwie finde ich mich in deinem Text wieder. Ein Teil davon passt nicht mehr, manches aber immer noch. Also erst mal kann ich dich beruhigen, dass du nicht der Einzige bist, der sich Inhalte, Figuren etc. aus Filmen usw. nicht merkt. Das ist bei mir genau so. Egal worum es geht. Ich merke mir nur das Wesentliche (und das ist am Ende nicht viel) und das wars. Selbst wenn es mein Lieblingsfilm-, Buch oder sonst was ist… Mich nervt es tierisch und ich weiß bis heute nicht, woran genau das liegt. Ich habe mir schon einige Gedanken dazu gemacht, momentan bin ich auf dem Standpunkt, dass es daran liegt, dass ich mir nur das Nötigste merke, weil es bequemer ist und alles andere im einen Ohr rein, im anderen wieder raus geht… weiterer Grund könnte sein, dass ich mir zu viele Gedanken um alles mache, jeden Tag, einfach zu viele Gedanken, dass mein Brain einfach keinen Platz mehr hat und vielleicht einfach keine Ordnung findet…^^ keine Ahnung. Ich finde es depremierend, gerade auf der Arbeit kann das unangenehm werden… es passiert auch in Gesprächen… wenn ich jemanden nach dem Weg frage… ich merke mir ein Stichwort – den Rest überhöre ich schon fast, weil ich mir irgendwie denke „ah, ja das sollte reichen um das zu finden“… oft sind die anderen Informationen aber auch wichtig… toll^^

    Na ja vielleicht finde ich bis zur Rente noch raus, woher das Problem rührt. Aber es ist gut zu wissen, dass es dir auch so ergeht. Vielleicht sollte ich mal mit meinem Therapeuten darüber sprechen :´D

    Was die anderen Dinge angeht, kann ich mir vorstellen, dass es ein guter Schritt sein könnte, dass du selbständiger wirst, und da ist es vielleicht erst mal ganz gut, wenn deine Eltern nicht in direkter Nähe sind. Vielleicht wächst dann automatisch ein gewisses „Pflichtbewusstsein“ in dir… das kannst du nur ausprobieren, aber schaden sollte es eigentlich nicht 🙂 Und in Dortmund kann man doch viel unternehmen, nutze dann die Chance um Leute kennenzulernen… was deine Hobbys angeht kannst du die auch nutzen um andere Leute zu treffen… dich in der Animeszene austauschen….

    Wichtig ist insgesamt, dass du mal mehr unter Leute kommst, sonst versauerst du nur, hast keinen Gesprächspartner, der dir mal die Welt von der anderen Seite der Medaille zeigen kann. Freunde sind wichtig, aber von nichts kommt nichts.

    Du bist ein intelligenter Typ, der sich selbst reflektiert, ich finde das macht dich auf jeden Fall sympathisch, und trau dich mal ein bisschen mehr was die Mädels angeht, sei selbstbewusster, das funktioniert schon 🙂 Und Körbe müssen wir alle einstecken… irgendwann musst du auch mal einen verteilen 😉

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